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Ratgeber · Zahlen

Fahrraddiebstahl in Deutschland: Zahlen, Muster, Mythen

Alle 2,5 Minuten wird in Deutschland ein Fahrraddiebstahl angezeigt — und die Statistik sagt weniger, als die Schlagzeilen behaupten. Hier stehen die Zahlen, die sich belegen lassen: aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, von den Versicherern, aus der Dunkelfeldstudie des BKA und aus der Forschung. Jede Zahl mit Quelle. Stand 10. September 2026.

214.264
angezeigte Fahrraddiebstähle 2025
BKA, PKS 2025
9,8 %
Aufklärungsquote — ein Tatverdächtiger, nicht das Rad
BKA, PKS 2025
1.270 €
Durchschnittsschaden je versichertem Rad
GDV, 2026
60 %
der Diebstähle werden überhaupt angezeigt
BKA, SKiD 2024

Weniger Fälle, teurere Beute

2025 wurden 214.264 Fahrraddiebstähle angezeigt, 12,9 % weniger als 2024 und 36 % weniger als 2015[1][2]. Gleichzeitig hat sich der durchschnittliche Schaden je versichertem Rad seit 2005 mehr als verdreifacht: 1.270 € im Jahr 2025, so hoch wie nie[5][6]. Die Polizei kommt auf 1.454 € je Fall[4]. Versicherer zahlten 150 Millionen Euro für 115.000 gestohlene Räder[5]. Der Trend ist eindeutig: Täter gehen gezielter vor, E-Bikes und hochwertige Räder stehen im Fokus — bei 90,6 Millionen Rädern im Bestand, davon 17,2 Millionen E-Bikes mit einem Durchschnittspreis von 2.550 €[13].

Jahrangezeigte Fälleje 100.000 EinwohnerAufklärung
2015335.174412,89,1 %
2017300.006363,59,1 %
2019277.874334,79,2 %
2020260.956313,89,8 %
2021233.584280,99,9 %
2022265.562319,09,3 %
2023264.062313,09,3 %
2024245.868294,69,7 %
2025214.264256,49,8 %

BKA, PKS Zeitreihe, Schlüssel ***300 „Diebstahl insgesamt von Fahrrädern“[2].

Aufgeklärt heißt nicht zurück

9,8 % der Fälle galten 2025 als aufgeklärt[1]. Das bedeutet: Ein Tatverdächtiger wurde ermittelt. Ob das Rad zurückkam, erfasst die Statistik nicht — und eine bundesweite Rückgabequote gibt es nicht. Wo Forschende nachgemessen haben, ist die Zahl ernüchternd: In Montreal kamen 2,4 % der gestohlenen Räder zurück, von 22 vollständig dokumentierten Rädern keins[15]. In den Niederlanden findet die Polizei rund 5 % wieder[21], in Frankreich liegen die Werte zwischen 4,9 % (ohne Anzeige) und 8,5 % (markiert und angezeigt)[20]. Beim weltweit größten offenen Register, Bike Index, sind es rund 10 % der als gestohlen gemeldeten Räder[22].

Und nur 60 % der Diebstähle werden überhaupt angezeigt[7]. Rechnet man das Dunkelfeld hoch, verschwinden in Deutschland eher 356.000 Räder im Jahr. Wer anzeigt, tut es vor allem aus einem Grund: 83 % wollen ihre Sachen wiederfinden[8].

Wo Räder verschwinden

Der häufigste Tatort ist das Zuhause: 37,5 % der Diebstähle passieren dort, weitere 27,8 % in der unmittelbaren Wohnumgebung[8]. Allein aus Kellern und Dachböden wurden 2025 gut 20.600 Räder gestohlen[1]. In Berlin betraf jeder zehnte Kellereinbruch ein Fahrrad. Ein Drittel aller Fälle entfällt auf Städte ab 500.000 Einwohnern[1].

RangStadtFälle 2025je 100.000 Ew.Aufklärung
1Münster4.5611.48012,6 %
2Göttingen1.6351.28510,6 %
3Freiburg2.7041.1397,4 %
5Leipzig5.4968989,4 %
6Bremen4.8978356,4 %
10Düsseldorf3.9486387,1 %
12Köln6.4316287,4 %
13Berlin22.6306144,9 %
19Hamburg9.9575354,0 %
38München5.67137710,4 %

Rang unter 80 Großstädten nach Fällen je 100.000 Einwohner. BKA, PKS 2025, Städtetabelle[3]; Düsseldorf laut Polizeipräsidium 3.949 Fälle, Aufklärung 7,1 %[10].

Wann es passiert

Die Berliner Polizei veröffentlicht jeden gemeldeten Fahrraddiebstahl als offenen Datensatz. Für 2025 zeigt die Auswertung: Mai (11,2 %), Juni (10,8 %) und Juli (10,4 %) sind die stärksten Monate, Februar und Dezember die schwächsten; von Mai bis September passiert die Hälfte des Jahres. Die Tatzeit-Spitze liegt um 18 Uhr, zwischen 17 und 20 Uhr ein Drittel aller Fälle, nachts zwischen Mitternacht und fünf Uhr nur 4,5 %[11]. Dasselbe Muster zeigen London, wo im Winter weniger als halb so viele Räder gestohlen werden wie im Sommer[23], und Dänemark, wo das dritte Quartal 30 % des Jahres ausmacht.

Was ein Diebstahl mit Menschen macht

52 % der Menschen in Deutschland haben Sorge, dass ihr Rad gestohlen wird; 30 % ist es schon passiert[9]. Die Folgen reichen weiter als der Verlust: In einer Befragung von über 1.800 Betroffenen in Nordamerika fuhren 45 % nach dem Diebstahl weniger oder gar nicht mehr Rad, 40 % stiegen auf Auto oder Bahn um[16]. In Frankreich hören 11 % ganz auf, 23 % fahren weniger[20]. Wer sein Rad verliert, verliert oft seine Alltagsmobilität.

Was hilft — laut Forschung

  • Das Schloss entscheidet, wer das leichtere Ziel ist. 85 % der gestohlenen Räder waren gesichert[1], jedes fünfte dagegen gar nicht[12]. Unter den gestohlenen Rädern in Nordamerika hingen 35 % an einem Kabelschloss, 26 % an einem Bügelschloss[17]. Stiftung Warentest: Viele Panzerkabel- und Faltschlösser sind schnell geknackt, aufbruchsichere Modelle gibt es ab 50 €[14].
  • Registrierung erhöht die Rückgabechance. Calgary hat mit einem Fahrradregister die Rückgabequote von 12 % auf 21,5 % fast verdoppelt[22]; in Dayton kamen nach Einführung der Registrierung doppelt so viele Räder zurück[19]; in Frankreich liegt die Quote bei markierten und angezeigten Rädern bei 8,5 % gegenüber 4,9 %[20]. Voraussetzung ist immer dasselbe: Rahmennummer und Fotos liegen vor.
  • Die Rahmennummer ist der Engpass. 40–50 % der Anzeigenden kennen sie nicht[18] — dann kann die Polizei ein sichergestelltes Rad niemandem zuordnen. In Oldenburg stieg die Aufklärungsquote von 3 % auf 21 %, nachdem Anzeigen zentral bearbeitet und mit einer Fahndungsdatei abgeglichen wurden[18].
  • Gestohlene Räder werden verkauft, oft online. 27 % der wiedergefundenen Räder in Nordamerika waren bereits online weiterverkauft[17]. Wer sein Rad in einem Angebot entdeckt, sollte nicht selbst eingreifen, sondern Screenshots sichern und die Polizei mit dem Aktenzeichen einschalten — das raten Polizei und Marktplätze übereinstimmend.

Vier Mythen

„Jedes zehnte Rad kommt zurück.“

Die Aufklärungsquote von 9,8 % zählt Fälle, in denen ein Tatverdächtiger ermittelt wurde — nicht Räder, die wieder beim Eigentümer sind. Eine bundesweite Rückgabequote erfasst niemand. Wo gemessen wurde, liegt sie deutlich darunter: 2,4 % in Montreal, rund 5 % in den Niederlanden, 5–8,5 % in Frankreich.

„Ein gutes Schloss reicht.“

85 % der 2025 gestohlenen Räder waren gesichert — der Diebstahl zählt als „schwerer Diebstahl“, weil eine Sicherung überwunden wurde. Das Schloss entscheidet mit, ob dein Rad das leichtere Ziel ist, nicht ob es unantastbar ist. Kabel- und viele Faltschlösser sind in Sekunden offen, Bügel und Kette halten länger.

„Nachts ist es am gefährlichsten.“

In Berlin liegt die Tatzeit-Spitze um 18 Uhr; zwischen 17 und 20 Uhr passiert ein Drittel aller Diebstähle, zwischen Mitternacht und fünf Uhr nur 4,5 %. Diebe arbeiten, wenn Räder gerade abgestellt wurden und niemand hinschaut.

„Nach dem Diebstahl kann man nichts mehr tun.“

Wer Rahmennummer und Fotos hat, kann anzeigen, die Versicherung bedienen und suchen. 40–50 % der Anzeigenden kennen ihre Rahmennummer nicht — dann kann die Polizei ein gefundenes Rad nicht einmal zuordnen. Die fünf Minuten Registrierung vorher sind der Unterschied.

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Häufige Fragen

Wie viele Fahrräder werden in Deutschland pro Jahr gestohlen?

2025 wurden 214.264 Fahrraddiebstähle angezeigt (BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik). Da nur rund 60 % der Diebstähle angezeigt werden (BKA-Dunkelfeldstudie SKiD 2024), liegt die tatsächliche Zahl rechnerisch bei etwa 356.000 — eins alle anderthalb Minuten.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstahl?

9,8 % im Jahr 2025 (2024: 9,7 %). Aufgeklärt heißt: Ein Tatverdächtiger wurde ermittelt. Ob das Rad zurückkam, sagt die Statistik nicht — eine bundesweite Rückgabequote gibt es nicht.

Welche Stadt hat die meisten Fahrraddiebstähle?

Absolut Berlin mit 22.630 Fällen. Bezogen auf die Einwohner führt Münster mit rund 1.480 Fällen je 100.000 Einwohner, vor Göttingen und Freiburg. Düsseldorf liegt mit 638 je 100.000 auf Platz 10 der 80 Großstädte.

Wann werden die meisten Fahrräder gestohlen?

Von Mai bis September. In Berlin entfallen 49 % aller Fälle eines Jahres auf diese fünf Monate; stärkster Monat ist der Mai, die Tatzeit-Spitze liegt am frühen Abend um 18 Uhr.

Quellen

  1. [1]BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Grundtabelle T01 Bund (Fälle, Aufklärung, Schlüssel ***300) Quelle
  2. [2]BKA, PKS 2025, Zeitreihe Fälle Bund Quelle
  3. [3]BKA, PKS 2025, Städtetabelle (Häufigkeitszahlen) Quelle
  4. [4]BKA, PKS 2025, IMK-Bericht (Durchschnittsschaden, Hinweis auf GPS-Tracker) Quelle
  5. [5]GDV, Medieninformation 12.05.2026: Weniger Fahrraddiebstähle – Schäden bleiben auf Rekordniveau Quelle
  6. [6]GDV, Statistik Fahrraddiebstahl (Zeitreihe seit 2005) Quelle
  7. [7]BKA, Sicherheit und Kriminalität in Deutschland (SKiD) 2024, Ergebnisbericht Quelle
  8. [8]BKA, SKiD 2020, Bundesweite Kernbefunde (Tatorte, Anzeigemotive) Quelle
  9. [9]BMV/SINUS, Fahrrad-Monitor Deutschland 2025, Kurzfassung Quelle
  10. [10]Polizeipräsidium Düsseldorf, PKS-Jahresbericht 2025 Quelle
  11. [11]Polizei Berlin, Open Data „Fahrraddiebstahl in Berlin“ (eigene Auswertung 2025) Quelle
  12. [12]Polizei Hamburg, Fahrradcodierung („jedes fünfte gestohlene Rad ungesichert“) Quelle
  13. [13]ZIV, Marktdaten Fahrradwirtschaft 2025 Quelle
  14. [14]Stiftung Warentest, Fahrradschlösser im Test (test 3/2025) Quelle
  15. [15]van Lierop, Grimsrud, El-Geneidy (2015): Breaking into bicycle theft: Insights from Montreal, Canada. Int. J. of Sustainable Transportation Quelle
  16. [16]Cohen et al. (2024): The impact of bicycle theft on ridership behavior. Int. J. of Sustainable Transportation Quelle
  17. [17]Cohen et al. (2023): Patterns in Bike Theft and Recovery. Findings Quelle
  18. [18]Fährmann, Höfner, Matzdorf (2023): Wie und von wem werden Fahrräder gestohlen? In: Aden et al. (Hg.), Nomos, Open Access Quelle
  19. [19]Johnson, Sidebottom, Thorpe (2008): Bicycle Theft. Problem-Oriented Guides for Police No. 52 Quelle
  20. [20]ADMA/FUB (2023): Le vol de vélos en France – Synthèse Quelle
  21. [21]CBS, Veiligheidsmonitor 2025 (Niederlande) Quelle
  22. [22]Bike Index, Annual Bike Theft Report 2025; Calgary Police / Bike Index Quelle
  23. [23]Mburu, Helbich (2016): Environmental Risk Factors influencing Bicycle Theft. PLOS ONE Quelle

Zahlen geprüft am 10. September 2026 gegen die genannten Primärquellen. Nächste Aktualisierung mit der PKS 2026 (voraussichtlich April 2027). Eine Rückgabequote für Deutschland wird nicht amtlich erfasst; alle Rückgabezahlen stammen aus den zitierten Studien und Registern anderer Länder. Hochrechnungen (Dunkelfeld) sind als solche gekennzeichnet.